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Spezialist für Hosen

Brooklyn wird 50

Das gesegnete Jahr 1972. Der Mai '68 war noch frisch in Erinnerung, und wer auf den Barrikaden gestanden hatte, war gerade mit dem Studium fertig. Einer von ihnen, Lieven Descamps, hatte eine Idee und richtig Lust, sie umzusetzen. Das Ergebnis: Brooklyn Kortrijk, der erste echte Jeansstore. Heute gibt es sieben Geschäfte und einen Webshop. Das sind 50 Jahre 'A PASSION FOR FASHION'. Zeit für einen Rückblick? Einen besseren Moment gibt es nicht!
Brooklyn 50

Der Mann und die Frau

Alles beginnt mit einem Mann: Lieven Descamps. Mitte zwanzig (26, um genau zu sein), aus Kortrijk, geprägt und aktiv in der KSA-Jugendbewegung und voller Energie. Er kämpft für gleiches Wahlrecht, Unterricht auf Niederländisch und alles, wofür die Studentenbewegung '68 auf die Straße ging. Ein Macher (als KSA-Leiter organisiert er Busse nach Brüssel, um für ein flämisches Leuven zu demonstrieren), der gern ein eigenes Geschäft gründen will. Der Plan: ein Modegeschäft mit Nähe zur Studentenbewegung und ihrem neuen Kleidungsstil. Und der war genauso revolutionär wie die Bewegung selbst: nonkonformistisch und lässig, mit Jeans, Miniröcken, gehäkelten Pullis… In Westflandern war so etwas noch nicht zu finden. Das sollte sich ändern.

Am 7. April 1972 eröffnet Lieven das erste Geschäft in Kortrijk, damals noch in der Sint-Janstraat. Den Laden 'Haus Descamps' zu nennen, kam ihm keine Sekunde in den Sinn. Der frische Wind verdiente einen Namen, der für Offenheit stand. Hosen und Jeans bildeten den Kern, ein Trend, der aus Amerika herübergeweht war. Von vielen Eltern damals verabscheut, wurde die Jeans zum begehrtesten Kleidungsstück der Jugend. Manche trugen sie sogar heimlich. Die Verbindung zu Amerika und die Alliteration zwischen 'broek' (niederländisch für Hose) und dem New Yorker Stadtteil gaben Kortrijk sein eigenes 'Brooklyn'.

Es ging sofort richtig los. Im Mai '72 eröffnet Lieven ein zweites Brooklyn in Roeselare. Hier kommt die Frau ins Spiel. Rita Garreyn, Studentin der Politik- und Sozialwissenschaften und ebenfalls Mitfahrerin in den Demo-Bussen nach Brüssel (der Legende nach haben sich Lieven und Rita auf der Polizeiwache kennengelernt), hat den Organisator im Blick, und umgekehrt. Als Rita zum Eröffnungsempfang des Geschäfts in Roeselare eingeladen wird und sieht, wie sich der Abwasch stapelt, packt sie spontan mit an. 'Die Hübsche mit den langen schwarzen Haaren' wird Lievens Partnerin, beruflich und privat.

Winkel

Der Geist aus der Flasche

Zusammen sind Lieven und Rita nicht mehr zu bremsen. 1973 bekommt Oostende sein eigenes Brooklyn, 1975 folgt Brugge. Inzwischen kommt die erste Tochter Eef zur Welt, sie kaufen ein Grundstück in Stasegem für das Lager und beginnen '76 mit dem Bau. Da ist auch Sohn Ubbe unterwegs. 1980 wagen sie den Schritt nach Ostflandern und eröffnen ein Geschäft in Gent, kurz darauf ist Waregem an der Reihe. Knokke schließt 1987 vorerst die Reihe. Mit Jelle und Aagje hat die Familie dann vier Kinder.

Die nonkonformistische Kleidung trifft bei jungen Leuten voll ins Schwarze. Hosen und T-Shirts von Levi’s, Wrangler, Lee… gehen weg wie warme Semmeln. Das Sortiment wächst schnell, neue Marken kommen dazu: Lee Cooper, Forty Niner, Clever Jeans… Und auch neue Produkte: Wollpullover direkt aus Schottland, selbst mit dem Lieferwagen abgeholt, Mützen und Caps aus London, Bomberjacken aus Paris. Wie kein anderer finden Lieven und Rita die Balance zwischen Kommerz und Innovation. Trends, die nicht ins Konzept passen, haben bei Brooklyn keine Chance. Andere greift Brooklyn auf, bevor sie überhaupt bekannt sind. So erkannte Rita als Erste die Wirkung von Grunge und Streetwear in den 90ern und übersetzte sie für die Kundschaft in tragbare Mode. Wieder einmal sind Hosen und Jeans der Kern von allem. Als Jeans in den 2000ern auf ein neues Level gehoben wird, ist Brooklyn ganz vorne mit dabei.

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Das Imperium

So bauen Lieven und Rita ihr 'Brooklyn-Imperium' auf. Nicht nur die Kleidung ist innovativ, auch die Art, das Unternehmen zu führen. Sie setzen auf neue Technologien, um den Betrieb besser zu organisieren. Schon Ende der 70er wird der erste Computer angeschafft, um den Bestand digital zu verwalten und Kleidung reibungslos zwischen den Geschäften zu verschieben. Ein System, von dem auch der Webshop heute noch profitiert und das Kundinnen und Kunden einen persönlichen Service bietet. Sie schätzen die Menschen im Unternehmen und wissen, dass eine Firma mit ihren Mitarbeitenden steht oder fällt. Karrieren von dreißig Jahren und mehr sind bei Brooklyn keine Ausnahme. Kundenfreundlichkeit ist eine weitere Säule des Familienunternehmens. Das Verkaufsteam bringt fundiertes Fachwissen mit, um die Kundschaft bestmöglich zu bedienen. Das sorgt für Zufriedenheit bei Kundschaft und Team.
Und schließlich gehört die Verbundenheit mit der Stadt zum Fundament von Brooklyn. Alle Geschäfte liegen im Zentrum, im pulsierenden Herzen einer Stadt. Dort, wo das Leben spielt und wo man den Finger am Puls hat, um gesellschaftliche Veränderungen und Trends zu erkennen.

Ende der 90er starten Eef und Ubbe, die beiden ältesten Kinder, ihre Karriere im Familienunternehmen. Ein kleiner Schritt, denn sie sind zwischen den Jeans aufgewachsen. Im Lieferwagen mit auf Tour oder nach London, um Ware abzuholen, auf dem Straßenmarkt oder im Lager helfen, an vollen Tagen in den Geschäften einspringen. Sie haben alles gemacht.

Mit der zweiten Generation wird Brooklyn fit für die Nullerjahre. Eine erste Website und danach ein Webshop, ein eigenes Magazin (The Brooklyn Planet), die ersten Schritte auf Social Media, die Suche nach einem zeitgemäßen Tone of Voice, der zum Brooklyn-Erbe passt… Dank einer klugen, zukunftsorientierten Führung übersteht Brooklyn die Finanzkrise 2008, hält Kurs und zeigt seine Relevanz in der flämischen Modelandschaft.

Die Nachfolge

2017 übernehmen Sohn Ubbe und seine Frau Chloé das Unternehmen. Ehrgeiz, Lust und der Glaube an die Werte des Unternehmens: Damit starten sie ihr Abenteuer. Omnichannel wird das neue Mantra, genauso wie 'Junge Familien mit Plänen glücklich machen'. Gleichzeitig besinnen sie sich auf den Kern: Die Baseline wird zu Brands & Pants – Marken & Hosen, so wie alles begann und der Grund, warum es Brooklyn noch immer gibt. Der einzigartige Mix aus Damen- und Herrenmarken und Streetwear bleibt ihre Stärke. Hilfsbereitschaft, Dankbarkeit und Treue ziehen sich weiterhin wie ein roter Faden durch das Unternehmen.

Inzwischen ist Brooklyn bereit für das nächste Kapitel. Die Erneuerung läuft, offline wie online. Die Geschäfte bekommen eins nach dem anderen ein Make-over, mit einem neuen Konzept, das die Verbindung zur Stadt noch stärker betont. Roeselare, Oostende, Gent, Knokke, Kortrijk und Brugge erstrahlen schon im neuen Look, Waregem ist in Planung. Außerdem eröffnet im Juni 2025 ein neues Geschäft in Nieuwpoort! Der Webshop wird zu einem modernen digitalen Store, damit Brooklyn auch auf diesen Zug aufspringt. Neue Medien werden getestet und auf typische Brooklyn-Art eingesetzt. Kommerziell und eigenwillig… kommt dir bekannt vor, oder?

Mit dem Erbe als Basis und zukunftsorientierten Plänen als Leitfaden steht Brooklyn heute fest auf der Modelandkarte, bereit für das nächste halbe Jahrhundert.

Fortsetzung folgt...

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